Maßnahmen um eSports in Deutschland zu stärken

Neben der wichtigsten Herausforderung, der Anerkennung des eSports als Sportart, besteht auch darüber hinaus dringender Handlungsbedarf, der sich aus der rechtlichen Diskriminierung von eSport im Vergleich zu anderen Sportarten ergibt. Der Gesetzgeber hat dem Sport eine Reihe von rechtlichen Privilegierungen zuerkannt, um Sportler zu fördern, sowie die Durchführung von internationalen Turnieren und Partien zu ermöglichen. Auf Grund der fehlenden Anerkennung des eSports unterliegt dieser unsachgemäßen Einschränkungen. Im Folgenden werden diesbezüglich einige Maßnahmen aufgeführt, die kurzfristig ergriffen werden müssen.

Lösung der VISA-Problematik

League of Legends World Championship Finals 2015 in Berlin
Foto: Riot Games
EU-Drittstaatenangehörige benötigen für die Einreise und den Aufenthalt nach bzw. in Deutschland einen Aufenthaltstitel. Auf Grund der fehlenden Anerkennung als professionelle Sportler haben eSportler aus EU-Drittstaaten immer wieder massive Schwierigkeiten bei der Einreise, um an internationalen Turnieren in Deutschland teilzunehmen. Dies stellt die ESL als Turnierausrichter vor große Probleme. Problematisch ist dies aber auch für Studios wie Riot Games, dem in Berlin ansässigen Entwickler und Turnierausrichter des mit 70 Millionen Spielern weltweit beliebtesten eSports Titels League of Legends. Für die Beschäftigung von Sportlern und Trainern sowie akkreditierten Personen, die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen einreisen, bestehen besondere Regelungen. So bedarf es unter Einhaltung bestimmter Kriterien keiner Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit bei der Erteilung eines Aufenthaltstitels, wenn Berufssportler oder Berufstrainer, deren Einsatz in deutschen Sportvereinen oder vergleichbaren am Wettkampfsport teilnehmenden sportlichen Einrichtungen vorgesehen ist. Dieser Status des Berufssportlers muss auch eSportlern zuteilwerden, um Deutschland zu einem attraktiven Standort für professionelle eSportler und Teams weiterzuentwickeln.

Partizipation an den Fördermechanismen und Sonderregelungen für den Sport

Neben der fehlenden steuerrechtlichen Anerkennung der Gemeinnützigkeit und den entsprechenden finanziellen Nachteilen haben eSports-Teams keinen Zugriff auf die Sportförderung der Länder, was die Ungleichbehandlung im Vergleich zu klassischen Sportarten verstärkt. Eine gezielte Sportförderung ist nötig, damit der eSports sich weiterentwickeln und stärker professionalisieren kann. Derzeit findet das Training vieler eSportler noch im privaten Umfeld statt. Nur erfolgreiche Teams, die über entsprechendes Kapital verfügen, können sich eigene Vereinshäuser leisten, in denen die eSportler gemeinsam trainieren. Die Förderung der Einrichtung von Trainingsräumen würde insbesondere aufstrebende Teams unterstützen und zugleich das soziale Miteinander der Spieler stärken. Gleiches gilt für die Entwicklung von Trainingsplänen auf wissenschaftlicher Grundlage, die durch eine öffentliche Förderung der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden könnten. eSports sollte daher als Sport anerkannt werden, sofern die steuerrechtlichen und anderen Bedingungen erfüllt sind. Förderwürdig wäre beispielsweise die Entwicklung von Trainingsplänen auf wissenschaftlicher Grundlage sowie die Einrichtung von Sportanlagen zum Training.

Gewerbliches Spielrecht

DreamHack 2017
Foto: Leipziger Messe / Andre Kugellis
Nach derzeitiger Rechtsprechung benötigen Gewerbetreibende, die das Spielen von eSports Titeln ermöglichen, eine Spielhallenerlaubnis. Dies führt dazu, dass, anders als in anderen Ländern üblich, das Spielen von eSports-Titeln selten in öffentlichen Räumlichkeiten angeboten wird und dadurch der soziale Aspekt des Sports eingeschränkt wird. Denn eine Spielhallenerlaubnis ist mit Einschränkungen (Zugang erst ab 18 Jahren) und bürokratischen Auflagen, wie dem Ausschluss von Spielhallen in bestimmten Gebieten durch den Bebauungsplan, verbunden. Bei klassischen Spielhallen, in denen Glücksspiel betrieben wird, ist diese Einschränkung sinnvoll. Allerdings ist diese für Örtlichkeiten, in denen eSports betrieben wird, gänzlich unsachgerecht. In dem entsprechenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes heißt es in der Begründung, dass eSports nicht als Sport einzustufen sei und nur durch eine Anerkennung als Sportart das gewerbliche Spielrecht unabhängig von der Entgeltlichkeit keine Anwendung mehr fände. Wie oben aufgeführt, ist diese Einstufung überholt. Bis zur Anerkennung von eSports als Sport sollte daher die Gewerbeordnung angepasst werden, um die derzeitigen Einschränkungen zu verringern und dadurch eSports stärker in der gesellschaftlichen Mitte zu verankern.